Einreise

Im Internationalen Flughafen Maiquetia bei Caracas: Die Schlange am Einreiseschalter ist unglaublich lange, kein Wunder wenn sich die Passagiere eines Flugzeugs alle in eine Schlange reihen duerfen... aber sls ob das nicht schon reichen wuerde ist scheinbar gleichzeitig noch eine andere Maschine angekommen!! - wer vorher noch die Toiletten aufsuchen will hat sich geschnitten: Gibt kein Wasser und deshalb Fehlanzeige!

Erste Massnahme - nachdem ich schon eine ganze Zeit angestanden bin - ist die Schlange aufzuteilen in zwei. Mit wenig Efekt, kurz vor dem Schalter vereinen sich beide Schlangen wieder ;-( Naechster Versuch eines Flughafenangestellten: Ein paar neue Schalter oeffnen, wovon ich erstmal nichts habe weil die Schlange kurz hinter mir zu den neuen Schaltern umgelenkt wird. Also bin ich wieder fast der letzte in der Schlange. Mit Schlangen geht es weiter auf der Stadtautobahn, aber irgendwann bin ich auch im Hotel...

Busreisen

Busse sind wohl die am haeufigsten eingesetzten Verkehrsmittel fuer lange Strecken. Das kann auch sehr angenehme sein, wenn man sich an ein paar wichtige Dinge haelt:

- Winterausruestung bereit halten
- moeglichst Schlafsack
- Wecker

Warum? In den moderneren Bussen herrscht arktisches KLima, im Ernst kuehlen die die teilweise auf unter 10 Grad runter, mehr als 14 - 16 Grad sinds aber wohl nie. Der Schlafsack verhilft einem also nicht nur zu etwas ertraeglicheren Temeraturen sondern auch um moeglichst lange im stockdunklen Bus zu schlafen, was anderes geht naemlich nicht. Die diversen Haltestopps werden nur einmal knapp angekuendigt, es ist also ratsam den Wecker zu stellen um den Austieg nicht zu verpassen.

Wer das tatsaechliche Klima mitkriegen will muss nur auf die Toilette, da lief mir jedes Mal sofort die Brille an wegen dem Temperaturunterschied.

Zwei kleine Anektdoten sind mir zu dem Thema Gefrierbus zu Ohren gekommen: 1. Kuehlanlagen fuer Fleischtransporter sind guenstiger und werden deshalb anstatt normaler Klimaanlagen eingebaut, lassen sich aber nicht "waermer" stellen 2. Busfahrer wollen Ruhe im Bus und scheinbar ist je kaelter umso ruhiger... leider muss es wohl sehr kuehl sein dass der Faktor zur Wirkung kommt!

Maracay, nicht weit von Caracas

Ich befinde mich ca. 50 km von der Kueste entfernt die recht schoen sein soll. Diese Fahrt dauert etwas mehr als 2 Stunden, kann man sich also schon denken wie die Strecke aussieht :-) Die 100km vorher haben wir in ca. 1h geschafft, nur so als Vergleich.

Es geht los mit einem alten Bus - Modell US-amerikanischer Schulbus - sehr steil rauf auf wunderbar schoene dicht bewachsene Berge. Alles sehr tropisch und je nach Wetterlage tropft alles vor Feuchtigkeit oder man faehrt im Nebel. Nachdem es nicht sehr schnell geht kann man viel sehen. Zwangszwischenstopps gibts zum Kuehlwasser nachfuellen (alles qualmt aus der Motorhaube... ) 2x. Ausserdem wird die fehlende Sicht auf der schmalen Strasse durch starkes Hupen vor fast jeder Kurve ausgeglichen! Nichts desto trotz kommen wir nach etwas mehr als zwei stunden sicher in Puerto Colombia an, einem schoenen Kuestenort an der Karibikkueste!

Zustand Fahrzeuge und Ausstattung

Ist ja schon faszinierend was sich so auf Venezuelas Strassen bewegt, ueberwiegend US-amerikanische Modelle die man aus den Fernsehserien aus den 70ern und 80ern kennt. Meist ist der Zustand mehr als fragwuerdig: Oft ohne jegliche Beleuchtung - fahren aber trotzdem nachts - und mit mehr Rostloechernr als Blech. Auch die Busse sind oft nicht viel besser.

Ob nun um das zu kompensieren oder einfach nur so: Der Wert der Fahrzeuge wird durch die eingebaute Stereoanlage plu Lautsprecher enorm angehoben. Das bekommt man ueberall mit, im Bus wo die Beschallung teilweise einer lauten Bar gleicht oder auf den Strassen in den Ortschaften wo das gute (Anlagen-)Stueck demonstriert wird: Oefter sieht man Kleinwaegen wo der ganze Kofferraum voll Lautsprecherboxen ist (Klappe natuerlich offen) und so wird nachts durch die Strassen gecruised. Bei den Bussen ist teilweise die ganze Rueckwand eine Ansammlung von Lautsprechern (also ist weit vorne sitzen angesagt).

La curva de felizidad

Das sagt vermutlich allen etwas die spanisch lernen... Laut einer Spanischlehrerin ist dies ein Ausdruck fuer gewisses Wohlhaben (zumindest muss man nicht hungern, sprich Leute mit einem deutlichen natuerlichen Rettungsring) im Zusammenhang mit Zufriedenheit bzw. Gluecklichsein... (bitte nagelt mich nicht fest, habe ich so ungefaehr in Erinnerung)

Jedenfalls wenn man den Ausdruck woertlich nimmt und die Mehrheit der Leute betrachtet sollte es an Zufriedenheit etc. nicht mangeln ;-) (wenn jetzt der Groschen gefallen ist) Komischerweise faellt das bei Frauen sogar noch oefter auf ...

Aber solange es den Leuten gut geht & die mit sich zfrieden sind ist ja alles in Ordnung.

Rivertour

Endlich ein bisschen ein Abenteuer.. gestern kam ich zurueck von einer 5-taegigen Tour auf dem Rio Caura. Nach ca. 2 1/2 bis 3 Stunden Autofahrt auf fertigen Strassen wird unser Gepaeck auf eine "Lancha" (sowas aehnliches wie ein Einbaum) umgeladen. Dieses Boot wird uns fuer die naechsten 4 1/2 Tage begleiten weil in dem Gebiet keine Strassen sind sondern statdessen der Fluss die Lebensader darstellt.

Wir schleppen Unmengen an Benzin mit (das hier so wenig kostet dass man es fast nicht mehr in Eurocent umrechnen kann), Essen und Wasser. Sonnen- bzw. Regenschutz gibt es leider keinen, obwohl wir den schon brauchen haetten koennen. Soll heissen es hat oefter und staerker geregnet, sonst war die Sonne unbarmherzig. Aber mit Sonnenhut und Regenjacke (wenn zur Hand) laesst es sich ueberstehen.

Uebernachtet wird in Haengematten die in runden Huetten aufgehaengt werden wo wir die Nacht gerade verbringen. (das habe ich auch vorher schon oefter gemacht, weil sich dann die Temperaturen nachts wesentich besser aushalten lassen wenn man die Matte irgendwo unter dem windigen Dach aufhaengt) Die hygienischen Einrichtungen sind sehr basic: gewaschen wird im Fluss, die Toiletten sind im Wald. Essen wird auf der Gasflamme zubereitet, abgespuelt im Fluss. Aber ist nicht je einfacher oft umso besser?

Was wir sehen: Etliche Wasserfaelle verschiedenster Hoehe und Breite, teilweise kann man drin baden. Die Lage ist meist sehr schoen und nur zu Fuss ueber Junglepfade zu erreichen. Auch das im Jungel rumlaufen hat was, teilweise muss man die Schuhe bzw. Badeschlappen ausziehen weil man barfuss besseren Halt auf den Wegen hat oder Baeche durchquert werden muessen. Gut ist in jedem Fall eines: Es gibt keine Muecken bzw. Moskitos an dem Fluss, was die Sache sehr angenehm macht!

Auch interessant: Flussaufwaerts des Salto Para (unsere Endstation mit dem Boot weil der Wasserfall nicht umfahren werden kann) geht es erst richtig los: Benzin und Aussenbordmotoren werden weitraeumig um den Wasserfall herumgetragen (ca. 45 Minuten zu Fuss) wo der Bootsverkehr weitergeht. Natuerlich muss auch die Ladung getragen werden... aber anders sind die Gebiete weiter suedlich am Rio Caura nicht zu erreichen. Da gibt´s auch keine Graspisten um mit dem Flugzeug zu landen.

Alles in Allem eine schoene Tour entlang dem Fluss & ein sehr beeindruckender Wasserfall "Salto Para"! Diese Wassermassen...

Gesundheitssystem Venezuela

Mehr unfreiwillig darf ich etwas ueber das Gesundheitssytem erfahren. Wie ich spaeter erfahre ist es die Grippe die ich mir wohl irgendwo geholt habe... aber um sicher zu sein um was es sich handelt suche ich einen Arzt auf. Dazu geh man in ein ambulatorio und wartet erstmal, dann wird mein Gewicht und meine Groesse festgestellt und diverse Standardchecks wie Blutdruck messen gemacht. Dann warte ich auf den Arzt. Leider sprechen in der Gegend alle so schnell dass es mir schwer faellt genau zu verstehen was los ist - also bekomme ich eine Infusion & gesagt wenn es nicht besser bzw. schlimmer wird nochmal zu kommen. Kostenpunkt: gar nichts!! Darauf muss ich am naechsten Tag leider zurueckkommen... Also die Grippe die wohl gerade viele haben. Unvorstellbar bei der Hitze hier... aber angesteckt ist angesteckt, also muss ich durch und kucken wie das Fieber wegkriegen. Diesmal kriege ich einige Rezepte fuer die Apotheke und das Zeug hilft recht gut. Der zweite Besuch beim Arzt war auch wieder umsonst!!

Inzwischen bin ich drueber hinweg - nur so als Info fuer die Besorgten.

Steuern zahlen

Einmal als ich von einer Tour (nach 5 Tagen) zurueck in die Zivilisation komme (in dem Fall Sta. Elena Naehe der Grenze zu Brasilien) sind fast alle Kneipen, Cafes und Restaurants und sogar einige Touragentouren geschlossen. Grosse Fragezeichen in den Gesichtern unserer Gruppe... Die Tueren der betreffenden Lokalitaeten sind wie im Film mit Plakaten vom Staat (so aehnlich wie "no trespassing") zu- bzw. ueberklebt.

Die Aufloesung war schnell herausgefunden, einfach unseren Guide fragen: Irgendwie hat wohl so gut wie niemand in Sta. Elena Steuern bezahlt und dann kamen sie auf die Idee doch mal zu kontrollieren!

Ein oder zwei Tage spaeter hat sich die Situation dann auch schon wieder entspannt.

Busreisen in Venezuela - Teil 2

Fakt ist: Haeufig finden Passkontrollen auf offener Strecke statt

Etwas stoerend ist das wenn es mitten in der Nacht ist... dann steigt gern mal ein Soldat mit Gewehr im Anschlag ein!

Was zum Glueck nicht ganz so oft vorkommt: Alle bekommen die Aufforderung auszusteigen und ihr Gepaeck aus dem Gepaeckabteil zu holen (plus Handgepaeck) und sich in einer Schlange aufzustellen. Dann wird ganz langsam von jedem das Gepaeck kontrolliert... Entweder alles auspacken oder es wird durchwuehlt, je nach Laune.

Besonders nervig ist das wenn es morgens um halb fuenf passiert und man endlich mal einschlafen konnte. Vermutlich suchen sie nach Drogen die angeblich ihren Weg von Columbien ueber Venezuela nach Brasilien machen.

Noch ein Wort zum Thema bequeme Nachtbusse: Das nuetzt einem alles recht wenig wenn auf Grun dvon vielen Kurven und bergigen Strassenin Kombination mit sehr rasantem Tempo nicht an Schlaf zu denken ist. Allzuschnell wir dman dem "Sekundenschlaf" wieder entrissen wenn man im Sitz von rechts nach links gebeutelt wird. Tja, abe rbesser als tagsueber die viele Zeit vergeuden.

Als Anhaltspunkt fuer die Geschwindigkeit folgendes Beispiel: Fuer eine Strecke von ueber 600km ueber eine sehr kurvige und bergige Strecke mit Schlagloechern dann und wann hat der Bus knapp 8h gebraucht! Vielleicht sollte der Busfahrer mal ueber eine Karriere als Ralleyfahrer nachdenken...

Tepuis oder Tafelberge

Die Natur ist mir ja schon wichtig in meinen Urlauben, darum habe ich mich einer Tour auf den Monte Roraima (einem Tepui oder Tafelberg) angeschlossen. Die ganze Sache hat knapp 6 Tage gedauert.

Zuerst gings fuer ca. 1 1/2 Tage durch Savannenlandschaft, d.h. staubig und so gut wie kein Schatten, fast keine Vegetation. Ist angeblich alles Brandrodung zum Opfer gefallen.

Uebernachtung war in Zelten, je nach Hoehenlage gab es ein bisschen Plage durch diverse stechende Insekten. Exzellente Verpflegung durch unseren Guide & Koch Marco aus Guyana, Koerperhygiene durch baden und waschen in Fluessen, Baechen und Tuempeln.

Erste Abwechselung in de Landschaft gab es am 3. Tag, dem Aufstieg vom Basecamp auf den Roraima: ploetzliche dichte und feuchte Vegetation. Verbunden damit ein steiler Anstieg zur "Ebene". Ist eigentlich zu viel gesagt, hauptsaechlich ist es felsig (Sandstein) mit Pfuetzen und Tuempeln und interessanten Pflanzen dazwischen. Die Pflanzenwelt ist definitiv ganz anders oben als vorher beim anstieg: viele fleischfressende Pflanzen, niedriger Bewuchs und keine richtigen Baeume.

Die Felsen koennen teilweise wie ein richtiges Labyrinth sein, aber zumindest muss man den Weg schon (er-)kennen um sich nicht zu verlaufen. Abends immer starker Regen und kalt, tagsueber fast immer starke Sonne & heiss, was sich aber schnell und haeufig aendern kann.

Oben haben wir ca. 1 1/2 Tage Zeit, die wir u.a. fuer einen 1-Tagesausflug nutzen zum Dreilaendereck mit Brasilien und Guyana. Auf dem Weg gibts wieder ne Bade bzw. Waschgelegenheit die nur auf abenteuerlichem Weg erreichbar ist: ueber Felsen hoch und runter klettern und ueber eine Schlucht springen bevor man in einer superengen Felsschlucht ist. Von da aus gehts im Wasser durch eine kleine Tropfsteingrotte raus ins kalte Becken. Muss man sich vorstellen wie ein um 15m abgesacktes Becken im Felsboden. Zum Glueck kommt von oben ein warmer Wasserfall, die Dusche!

Ein unglaublicher Ausblick vom Rand des Tepuis empfaengt mich am Tag des Aufstiegs: Wir sind 900m hoeher als das Basecampun dnoch um einiges hoeher als das Umland. Die senkrechten FElswaende des Tepui machen den Hoehenunterschie dnoch extremer!

Fazit: eine durchaus empfehlesnwerte Tour!!

Spritkosten

Das Benzin (Diesel) ist superguenstig hier. Klar, ich bin in einem Erdoel foerdernden Land. Ein Liter Diesel kostet knapp 50 Bs (knapp 2000 Bs entsprechen 1 US$) und Benzin liegt bei ungefaehr 80 Bs.

Was ich mir jetzt kaum vorstellen konnte: Es gibt eine BEnzinpreissubvention! D.h. es scheint hier guenstiger verkauft zu werden als es produziert werden kann. Das finde ich schon krass!

Busreisen in Venezuela - Teil 3

Verkehrsmittel "Por Puesto":

-was: vom normalen Auto bis hin zum Kleinbus oder Pickup Truck
-warum: nicht ueberallhin fahren ausreichend Busse
-wann: wenn das Fahrzeug voll ist

Schlussfolgerung: man weiss nie wann man ankommt weil nicht klar ist wann Abfahrt ist. Wenn man also mehrere Po Puestos in Folge braucht (weil keines direkt faehrt) kann das abenteuerlich werden, zurueck bin ich deshalb auf einer Strecke (von einer Cacao-Hacienda zurueck) mal erst ein Stueck gelaufen (45 min), dann auf zwei verschiedenen LKWs die gerade da fuhren mitgefahren.

Mitfahrer: Koennen auch sehr interessant sein... man trifft schliesslich auf alle moeglichen Bevoelkerungsschichten, mal abgesehen von den wohlhabendsten die die schicksten Autos haben.

Das wars fuer dieses Jahr, ich muss jetzt gleich los zum Flughafen, das sollte nicht so spannend sein (hoffe ich). Wer Spass hatte beim Lesen, danke fuer die Aufmerksamkeit!

Euer Gunther

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Gunther Kochmann